Photovoltaik ist das wichtigste Werkzeug auf dem Weg zur eigenen Energie. Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach ist eine, die Sie nicht mehr beim Versorger kaufen. Genau deshalb stellt sich früher oder später die Frage: Wie viel davon kann ich eigentlich selbst machen? Die Antwort ist überraschend viel. Aber nicht alles, und nicht überall.

Wer einen Handwerker im Haus hat oder handwerklich geschickt ist, kann beim Selbstbau spürbar sparen. Ein erheblicher Teil der Kosten in einem typischen Angebot steckt nicht im Material, sondern in Planung und Montage. Wer diese Arbeit selbst übernimmt, senkt die Gesamtkosten deutlich. Was bleibt, ist eine klare Trennlinie: Es gibt Arbeiten, die Sie machen dürfen, und es gibt Arbeiten, die in Deutschland zwingend in die Hände einer Fachkraft gehören.

Was Sie selbst machen dürfen

Die gute Nachricht zuerst. Der größte Teil der Arbeit auf dem Weg zur Anlage ist Eigenleistung, wenn Sie sich das zutrauen. Das beginnt am Schreibtisch und endet auf dem Dach.

  • Planung und Auslegung. Anlagengröße, Modulwahl, Ausrichtung, der passende Wechselrichter. Wer sich einarbeitet, kann die komplette Auslegung selbst übernehmen.
  • Die Unterkonstruktion. Das Montagesystem auf dem Dach, Dachhaken, Schienen. Hier wird gebohrt, geschraubt und ausgerichtet. Reine Handarbeit, aber mit Sorgfalt.
  • Module setzen und DC-seitig stecken. Die Module aufs Gestell, untereinander zu Strings verbinden, das Kabel zum Wechselrichter führen. Die meisten Stecksysteme sind dafür ausgelegt.

Zwei Warnungen gehören dazu. Erstens das Dach. Arbeiten in der Höhe sind die häufigste Quelle schwerer Unfälle am Bau. Ohne Absturzsicherung, Gerüst oder Anseilung hat dort niemand etwas zu suchen. Zweitens die DC-Seite. Sobald Licht auf die Module fällt, liefern sie Spannung. Ein Modul lässt sich nicht „ausschalten". Wer hier unbedacht arbeitet, riskiert einen Lichtbogen. Stecker werden ohne Last verbunden, nicht im Betrieb.

Wo der Fachbetrieb ran muss

Jetzt die klare Grenze. In Deutschland muss der AC-seitige Anschluss von einer eingetragenen Elektrofachkraft ausgeführt werden. Das ist nicht optional, und es ist auch kein bürokratischer Schikane-Punkt. Es geht um die Sicherheit Ihres Hauses und die des Netzes.

Konkret gehört in Fachhände:

  • Der Anschluss des Wechselrichters an das Hausnetz auf der Wechselstromseite.
  • Alle Arbeiten am Zählerschrank und an der Hauptverteilung.
  • Die Verbindung der Anlage mit dem öffentlichen Netz beim Netzbetreiber.

Dazu kommt die Bürokratie, und auch sie ist Pflicht. Die Anlage muss beim zuständigen Netzbetreiber angemeldet und im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen werden. Ohne diese Schritte ist der Betrieb formal nicht zulässig. In der Praxis übernimmt die Anmeldung beim Netzbetreiber meist die Elektrofachkraft mit. Die Eintragung ins Marktstammdatenregister können Sie selbst erledigen, sie ist online und kostenlos.

Der einfache Einstieg: Balkonkraftwerk

Sie sind unsicher, ob der große Selbstbau das Richtige ist? Dann fangen Sie klein an. Ein Balkonkraftwerk, auch Steckersolar genannt, ist die einfachste Form der eigenen Stromerzeugung. Ein bis zwei Module, ein kleiner Wechselrichter, ein Stecker in die Steckdose. Bis 800 Watt Einspeiseleistung ist das in Deutschland zulässig.

Steckersolar ist anmeldepflichtig, aber unkompliziert. Die Eintragung ins Marktstammdatenregister genügt, eine Elektrofachkraft brauchen Sie für ein normgerechtes Steckersolargerät nicht. So lernen Sie das Prinzip kennen, sehen die erste Erzeugung auf dem Zähler und entscheiden in Ruhe, ob eine größere Anlage folgen soll.

So gehen Sie den PV-Selbstbau an

Ein vernünftiger Selbstbau folgt einer Reihenfolge. Wer mittendrin anfängt, baut nach und ärgert sich. Diese sechs Schritte ordnen den Weg:

  1. Bedarf und Dach ehrlich aufnehmen. Jahresverbrauch notieren, Dachfläche, Ausrichtung, Neigung und Verschattung prüfen. Daraus folgt die sinnvolle Größe, noch bevor Sie ein Modul bestellen.
  2. Anlage auslegen und Komponenten wählen. Module, Wechselrichter, Montagesystem und gegebenenfalls Speicher aufeinander abstimmen. Diese Planung ist Eigenleistung, wenn Sie sich einarbeiten.
  3. Netzbetreiber informieren und anmelden. Anmeldung beim Netzbetreiber und Eintrag ins Marktstammdatenregister. Pflicht, kein optionaler Schritt.
  4. Unterkonstruktion und Module montieren. Montagesystem aufs Dach, Module setzen. Möglich in Eigenleistung, aber nur mit Absturzsicherung.
  5. DC-Seite verkabeln. Module zu Strings verbinden, Kabel zum Wechselrichter führen. Vorsicht, die DC-Seite steht bei Licht unter Spannung.
  6. AC-Anschluss durch die Elektrofachkraft. Wechselrichter, Zählerschrank, Hausnetz und der Anschluss ans öffentliche Netz gehören zwingend in Fachhände.

Was der Selbstbau wirklich spart

Reden wir über Geld, denn darum geht es vielen. In einem Komplettangebot vom Fachbetrieb entfällt ein erheblicher Teil der Kosten auf Planung und Montage, nicht auf die Module selbst. Genau dort liegt der Hebel. Wer die Montage und die Auslegung in Eigenleistung erbringt, senkt die Gesamtkosten der Anlage deutlich. Eine erfundene Prozentzahl behaupte ich hier bewusst nicht, denn der Anteil hängt stark von Dach, Größe und Angebot ab.

Wichtig ist die Gegenrechnung. Der Selbstbau kostet Zeit, oft mehrere Tage, und er verlangt Werkzeug. Sie tragen außerdem ein Stück Verantwortung für die Qualität der Montage. Wenn Sie diese Zeit haben und gern handwerklich arbeiten, ist das ein gutes Geschäft. Wenn nicht, ist der bezahlte Profi sein Geld wert.

Die ehrliche Grenze

Eine maßgeschneiderte Erzeugung am eigenen Haus ist kein Werk für Heldentum. Wer bei einem Schritt unsicher ist, holt sich Hilfe oder gibt ihn ab. Pfusch am Dach kann zu Wasserschäden und im schlimmsten Fall zu Stürzen führen. Pfusch am Netz gefährdet das Haus und die Menschen darin. Beides ist am Ende teurer als der gesparte Handwerkerlohn.

Ein guter Mittelweg ist die geteilte Arbeit. Sie planen, Sie montieren das Gestell und setzen die Module, die Fachkraft macht den Anschluss und nimmt die Anlage ab. So sparen Sie den größten Kostenblock und gehen kein Risiko bei der Elektrik ein.

Die Photovoltaik ist selten das Ende der Geschichte. Damit der Sonnenstrom auch abends fließt, lohnt der Blick auf einen richtig dimensionierten Stromspeicher. Wer zuerst seinen Verbrauch in den Griff bekommt, braucht eine kleinere Anlage, mehr dazu unter Stromkosten senken. Und wie sich Erzeugung, Speicher und Wärme zu einem System fügen, zeigt der Überblick Was ist Energieautarkie?